Weiterziehen
Vom formen meines Bildes, wie ich leben möchte
Nach vier Tagen in Puebla spürte ich gestern ein Gefühl von satt sein von der Stadt. Es war eher ein Gefühl von Übersättigung der Menschenmengen, die sich durch diese wunderschöne Stadt schieben. Ähnlich wie in México City, spürte ich gestern eine Überladung der Mengen an Menschen und in mir bewegte sich eine Vorfreude heute abzureisen. Da wo sonst immer ein Wackeln vor einem Reisetag in mir zu spüren war, weil die vor mir liegende Ungewissheit und der Ruf des Unbekannten mich schlingern ließ, hüpfte nun eine Vorfreude in mir. Puebla ist eine gemütliche Stadt, durch ihr Erscheinungsbild, durch ihre Weite und ihre Dichte zugleich, ihre farbenfrohen Straße, überall blühenden Pflanzen, Parks und Cafés, wären die Menschenmengen nicht.
Mein Leben lang spürte ich nach etwa einem Jahr an einem neuen Wohnort einen Zug weiterzuziehen, wahrscheinlich weil ich nach einem Jahr unbewusst gespürt hatte, dass der Ort, an den ich gezogen war, nicht zu mir passte. Dieser Sog ließ mich unzählige Male umziehen, an einen neuen Wohnort, in ein neues zu Hause. Doch das, was ich mir durch jeden Umzug erhofft hatte, fand ich bisher nirgends und so zog ich weiter, in ein neues Heim. Gleichzeitig hatte ich mich nie mit der Frage beschäftigt, was mir entspricht, denn dazu hätte ich mir vielleicht auch klarer darüber werden müssen, wer ich bin und was mich ausmacht, was mir gefällt und mich interessiert. Alles Fragen, die ich der Frage untergeordnet habe, was meinen Partnern gefällt und sie interessiert, wer meine Partner sind und was sie ausmacht.
Das weiter reisen, als Form eines mini Umzugs, begegnet mir nun im Zeitraffer. Ein Teil meiner Reise ist, einen Ort zu finden, an dem ich bleiben möchte. Gestern, als ich das Gefühl spürte, dass es an der Zeit ist Puebla hinter mir zu lassen, formten sich in mir Gedanken einer klarer werdenden Klarheit, was mein Wesen braucht, um sich an einem Ort wohl zu fühlen und damit entstand eine gewisse Freude in mir, dass ich mich im Zeitraffer und in Slow Motion zugleich dem Finden eines für mich lebenswerten Ortes annähere.
Es sind gemütliche Gassen und Straßen, es ist Natur in grün und bunt, es ist Langsamkeit gepaart mit einer leichten Brise Lebendigkeit, es sind Menschen, die zur Gemeinschaft werden, es sind tiefe Unterhaltungen, es ist gegenseitige Achtsamkeit, es ist Kunst und Handwerk, die inspirieren, es ist eine Mischung aus Weite, die mich atmen lässt und gemütlichen Gässchen, die mich liebevoll umhüllen, es sind gut 30 Grad Temperatur, die meinem Wesen entsprechen, damit ich mich wohl fühle. Von allem die richtige Dosis, die genau zu mir passt.
Immer mehr formte sich ein Nein zu Hektik, überfüllten Gehwegen, zu Temperaturen über 37 Grad und unter 12 Grad, lauten Verkehrsstraßen, viel Verkehr und wenig Natur, Ellenbogenmiteinander und in Beton und Asphalt gegossene Städte.
Mein Weg durch México führt mich nun tiefer in die Natur, in eine kleine Stadt und sie wird mein Bild von mir und meinen Wünschen, Interessen, von meinem Wesen weiter formen und klären. Neben meinem Rucksack trage ich heute vor allem das Gefühl mit und in mir, dass ich auf meinem Weg bin, auf meinem Weg all das aus mir heraus an die Oberfläche zu tragen, was ich für meinen nächsten Schritt brauche. Zuversicht und Vertrauen liegt in mir und in der Luft.






Was ein herrlicher Schlußsatz!
Ich las heute von einem Ende eines Lebens in Übergangstöpfen und einem Ankommen am richtigen Ort, der einen voll und ganz nährt und an dem wir in unsere wahrhaftige Schöpfung einsteigen dürfen. Wurzeln dürfen Boden finden fern jeglicher Begrenzung. Auf dass wir einschränkungsfrei in den Ausdruck gehen dürfen 🙏✨💫