Synchronizitäten
Von sogenannten Zufällen
Als ich vor einem Jahr eine magnetische Anziehung nach Mexico spürte, entstand in mir der Plan, dass ich in diesem Winter genau dorthin reise. Als drei bis vier Wochenurlaub plante ich ein zweites Mal durch Mexico zu reisen, in dem Vertrauen, dass sich mir auf dieser Reise, der Grund für die Zugkraft entblättern würde.
Die Zeit verging und kaum merklich änderte sich der Plan. Nach Monaten zeichnete sich in mir ein sich langsam klärendes Bild, dass ich nicht zum Urlaub an diesen Ort zurückkehren, sondern mich auf eine längere Reise begeben würde. Immer wieder war der Satz in mir, dass es eine Reise zu mir sein würde. Eine Reise, auf der ich Anteile von mir finden, entdecken und freilegen würde.
Aus einem Gefühl entstanden langsame Handlungen. Vorsichtige erste Schritte, um zu spüren, wie fühlt es sich an, wenn ich mich informiere, was es braucht, was getan werden muss, um zu reisen auf unbestimmte Zeit. Ein vorsichtiger Blick auf die Weltkarte, doch keine Route zog mich an. Der Sog ging nach Mexico, dass war der einzige Teil vom unplanbaren Plan. Jeden Tag spann ich mein Vorhaben ein kleines Stückchen weiter. Ich recherchierte die Aufenthaltsdauer, was es für eine solche Reise an bürokratischen Schritten braucht bis hin zu Spinnenwebenverwebungen, ob ich in Deutschland alles auflösen soll oder nicht. Meine Wohnung, meinen Haushalt, meine Arbeit und mein geliebtes Auto aufzugeben, überforderte meinen Verstand. Auf einen Tag Recherche folgten etliche Tage des still Stehens. Mein Verstand forderte Ruhepausen ein, um all das, was ich ihm darreichte verarbeiten zu können. Während sich in meinem Kopf die Unklarheit darüber, ob ich diesen Schritt wirklich wagen sollte, von einem Ja zu einem Nein hin und her bewegte, trieb mich diese magnetische Anziehung immer wieder an, den nächsten Schritt zu gehen.
Mit jedem Schritt, wurde mein Vorhaben immer mehr zu meiner Realität. Aus dem Wunsch, einen Plan zu schmieden und eine Reiseroute festzulegen, wurde eine Freude eben dies nicht zu tun. Etwas in mir wusste, dass es nicht nötig war zu planen, sprach von Vertrauen, dass sich alles genau zum richten Zeitpunkt zeigen wird. Ich tat, was getan werden wollte, ging durch Emotionen, die ich bis dahin nicht kannte und gleichzeitig überraschte ich mich mit einer inneren Ruhe und einem auf das Ziel ausgerichteten, aufrechten Gang.
In tiefster Planlosigkeit setzte ich mich ins Flugzeug und kam in Planlosigkeit in Mexico an. Lass dich ein, lass dich in den leeren Raum fallen, übe dich in Erwartungslosigkeit und Sein, bleib stets im Vertrauen, sprach ich im Flugzeug sitzend immer wieder mit meinem rebellierenden Verstand. In Mexico gelandet, waren alle Zweifel weggewischt. Ich war da, wo ich sein sollte, so fühlte es sich an. In meiner Unterkunft, eingehüllt in eine Gemeinschaft aus Menschen, die ebenfalls alles hinter sich gelassen und die es an diesen Ort geführt hatte, durfte ich tagelang ankommen, spüren und Hinweise des Lebens erkennen, einsammeln und in mir wirken lassen.
Zwei Wochen später, als sich mein Verstand bereits mit der Weiterreise beschäftigen wollte, weil ich doch dafür ins Flugzeug gestiegen war, wurde mir eine Frau vorgestellt, die hier im Ort ein Lektorat betreibt. Der ich erzählte, dass ich schon lange ein Buch schreiben wollte. Der ich erzählte, dass ich spüre wie hier, an diesem Ort der Ruhe, meine Worte wieder fließen und niedergeschrieben werden wollen. Auf ihre Frage, worauf ich warte, um mit dem Schreiben anzufangen, platzte „auf deinen Impuls“ überlegungsfrei aus mir heraus. Die Klarheit meiner Worte erschreckte und überraschte mich zugleich. Sie bot mir ihre Unterstützung an und schenkte mir den Impuls in eine Frage verpack, die in dem Moment keine Antwort verlangte, warum ich weiterziehe, wenn mir dieser Ort alles anbot, was ich dafür zu brauchen scheine das Vorhaben in die Realität umzusetzen.
Ihre Frage bewegte sich beim Wandeln zu und durch Maya Ruinen in mir, die Antworten meines Verstandes wurden mir in der Stille zwischen den Pyramiden serviert. Er sprach von scheitern und Mutlosigkeit, weil ich reise ohne zu reisen. Er fragte, was die Menschen von mir denken würden, wenn ich ihnen erzählte, dass ich hier bleiben würde auf unbestimmte Zeit, er erzählte mir Geschichten davon, dass mein Vorhaben belächelt werden würde und offenbarte mir damit, mit welchem erwartenden Blick ich auf mich selbst schaute. Ich fragte mich, wer ich sein möchte. Jemand, die dem folgt, was sie denkt, was andere über sie denken, oder jemand, die dem folgt, was sich richtig anfühlt.
Ich folgte meinem Herzen, entschied zu bleiben und besprach die Möglichkeiten, auf unbestimmte Zeit hier in meiner Unterkunft zu bleiben um zu schreiben. Und da waren sie wieder die offenen Arme, die sich über meine Entscheidung freuten und das all das möglich sei. Kurz darauf erfuhr ich, dass in wenigen Tagen ein Verleger in der selben Unterkunft sein würde wie ich. Und in mir sprach es von Synchronizitäten, die auf ein ohja folgen, von Wundern und Fügungen, die sich zeigen, wenn man sich für den Raum der Möglichkeiten öffnet und dem folgt, was das Herz einem leise und sanft ins Ohr flüstert.
Mein Buch, es ist bereits am entstehen und mit jedem Wort, dass ich schreibe, wird mir immer mehr klar, dass dieses Buch eine Reise zu mir ist, dass es für mich geschrieben werden möchte. In der Rückschau auf mein Leben, fließen ungeweinte Tränen, schaue ich liebevoller denn je auf dieses verletzliche Wesen, was ich einst war und immer noch bin. Erkenne viele ungesehene Wegesgabelungen, bei denen ich stets dem Verstand gefolgt bin, anstatt meinem Herzen. Ich darf beim Schreiben meines Buches voller Verständnis und Versöhnung auf meine Entscheidungen schauen, darf alle weggeschobenen Emotionen nun fühlen, weil ich jetzt bereit dafür bin. Stück für Stück mit jedem Tag, mit jedem geschriebenen Wort, entblättert sich der tiefere Sinn, warum mich dieser Ort magnetisch angezogen hat, warum ich hier bin und was ich hier tun möchte.
Es hat die die Begegnung mit einer Lektorin und die Erwähnung eines Verlegers gebraucht, damit ich die Wichtigkeit meines Hierseins begreifen, fühlen und annehmen konnte. Entwicklungsschritte, die gegangen werden möchten, ich bin bereit sie zu gehen. Ich bin bereit die Fügungen des Lebens gänzlich und aus tiefstem Herzen anzunehmen.





