Schrittweise
Von Abschieden und Neuanfängen und meiner wohl größten Reise.
Klirrende Kälte.
Der gefrorene Boden unter meinen Füßen knirrscht in behäbiger Beständigkeit. Verlautet, dass meine unsteten Schritte gerade das einzig Beständige in meinem Leben sind. Ich setze einen Fuß vor den anderen, wie ein aus dem Takt geratenes Uhrwerk ticke ich den Berg hinauf.
Die Tage vor meiner Abreise sind gezählt, rattern unaufhaltsam runter, während die Welt still zu stehen scheint. Die Zeit gleitet mir durch meine Hände, während sich auf Zetteln unerledigte Erledigungen ansammeln. Sie lähmen mich, wie die Kälte, die mich umgibt. Einen Schritt vor den anderen, tickt eine Antriebswelle in mir.
Der Wind pfeift Abschiedsgesänge, während das Außen surreal normal weiterläuft. Erste emotiongsgeladene Tränen strömen aus meinen Augenwinkeln und gefrieren sogleich bei klirrender Kälte auf ihrem Weg über mein Gesicht. Konservierte Tränen auf meinen Wangen, ich trage sie stolz durch die tristen Straßen. Abschied schmerzt, rufen sie einem jeden irritierten Blick entgegen, sogar wenn er von mir selbst so gewollt.
Ich wundere mich über meine immer gleiche Antwort auf Fragen nach meiner Reiseroute, Reisedauer und Rückkehr. Ich weiß es nicht, begleitet von einem Schulterzucken, begleitet von einer angenehmen Leere, die keine Antworten auf diese Fragen braucht. Eine mich erfüllende Gewissheit, dass ich im Raum der offenstehenden Möglichkeiten Antworten finden werde, genau zur rechten Zeit.
Die Zeit, sie tickt unzählbar schneller, als meine Füße Schritte gehen können. Manchmal bringt mich die Größe meines Vorhabens aus dem Tritt. Wenn dann die klirrende Kälte mich droht schock zu gefrieren, hebe ich einen Fuß und setze ihn vor den anderen. Egal wie klitzeklein der Schritt auch ist, der mir dann gelingt, es ist und bleibt ein Schritt. Ich schließe die Angst liebevoll in meine Arme und nehme sie mit auf meinem schneckenhaften Dauerlauf zur Türschwelle zwischen Abschied und Neuanfang.


