Entrückt
oder zurecht gerückt
Die letzten zwei Tage waren erfüllt von Magie und Zauber. Ein Naturerlebnis reichte einem Neuen die Hand. Magie in und mit der Natur, unter Menschen, die gleich schwangen und erkannten, wann die Zeit für Worte ist und wann der Zeitpunkt für Stille. So bestaunten wir in besonderer Verbundenheit die Wunder, die uns umgaben, spürten die Energie und sahen mit staunenden Kinderaugen, genossen gemeinsam und jeder für sich in tiefer Verbundenheit, die manchmal keine Worte braucht. Seit acht Tagen kennen wir uns nun und haben schon unsere tiefsten Tiefen gemeinsam erforscht und miteinander geteilt und uns auf eine Art und Weise kennengelernt, die sich fern ab bewegt von irgendeiner Norm.
Uns begegnete im Außen der Tod auf vielfältige Weise, der uns aufmerksam werden ließ, genauso wie das Leben in seiner aller schönsten Pracht. Wie ein Aufruf zum sterben um zu werden reihten sich unsere Erlebnisse aneinander, in denen der Tod und das Leben Hand in Hand gingen und uns zum nächsten Wunder führten. Gestern durften wir uns an einem kraftvollen Ort, der die weibliche Energie beheimatet, behütet wie in Mutters Schoß fühlen und während jeder für uns diese Energie spürte, hatte jeder von uns seine ganz eigene Erlebniswelt erfahren und erspüren dürfen. Ich spürte, wie ich mit geschlossenen Augen einen neuen Raum betrat, an dem mich die Präsenz der anderen nicht mehr erreichte, an dem ich ganz allein mit mir war und den Steinen, auf denen ich saß. Ich wurde zu Wasser und floss in die Steine unter mir hinein, wurde zu einem flüssig fließenden Stein. Als ich die Augen öffnete sah ich wie die Wolken am Horizont wie Wellen am Himmel heran rollten ohne näher zu kommen. Der Himmel, er war zum Meer geworden, wo uns einzig Regenwald und Himmelreich umgab. Etwas war im Fluß, oder wollte vielleicht die Botschaft zu mir tragen, dass ich fließen darf, wie das Wasser, was ich um mich herum sah und zu dem ich geworden war. Die untergehende Sonne zeichnete Regenbogenpunkte um sich herum und beim näheren betrachten erkannten wir, dass es war ein Ring, der um die Sonne in allen Farben erstrahlte. Ein wenig nachhelfen musste ich, um den Ring auf Foto sichtbar zu machen, doch mit bloßen Augen schwebte er in aller Klarheit am Himmel. Ein Halo, vielleicht gar nicht so selten, doch wir hatten so ein Spektakel zuvor noch nicht gesehen. Wahrhaftiges lag in der Luft, bedeutsames und eine namenlose Essenz war zum greifen nah.
Heute morgen standen wir in der Früh auf, um die gleichstehenden Planeten zu bestaunen und mit ihnen den folgenden Sonnenaufgang. In gleicher Konstellation wie am Tag zuvor machten wir uns zur Pyramide in Laufnähe auf, kletterten unerlaubte Wege hinauf und kamen zu spät für Planetenbetrachtungen an und gleichzeitig im richtigen Moment für den Sonnenaufgang. Alle Rottöne zauberten die Sonnenstrahlen in die gehende Nacht, der Hauch ihrer Strahlen in pastellrot durchzog das heller werdende blau am Himmel. Wir saßen hoch oben von einem klar gezeichneten Ring aus Nebel umgeben, der mir zuraunte, dass wir sind behütet und beschützt. Er zog gefühlt langsam näher heran, ohne uns zu erreichen. Wie unter einer Schutzkuppel erschien es mir, die uns in ihre Mystik einlud einzutauchen. Nun wurde der Regenwald, wie gestern auch, zum Meer, dessen Wellen schäumend auf den Baumkronen entstanden. Fließe, sprachen sie zu mir, während der feuerrote Himmel vom Feuer sprach, dass ich in mir entfachen darf. Wahrhaftigkeit erstrahlte in jedem von uns und hauchte uns den Sinn des Lebens ein. So sollte jeder Morgen beginnen, im Genuss der Schönheit der Natur, in Stille und gleichzeitiger Verbundenheit. Tiefe Augen Blicke festigte das unsichtbare Band, was in den letzten Tagen fast unbemerkt in uns gewachsen war und unsere Seelenverbindungen verwebte. Es war, als würden wir durch unsere Augen in unsere wahre Essenz eintauchen und uns stumme Geschichten von Universen erzählen, die fernab von Materie bestehen.
Zurück in der 3D Welt fühlte ich mich merkwürdig entrückt. Es fiel mir schwer wieder im gefühlten Unwesentlichen zu landen und mich zu recht zu finden. Vielleicht hatte sich auf unseren Erlebnisreisen auch etwas in mir zurecht gerückt. Es fühlte sich für mich an, als hätte sich mir eine tiefere Wahrheit offenbart, die ich weder greifen noch benennen kann. Es war ein Genuss in ihr zu baden und es erscheint mir als Aufgabe, dieses Badewasser wieder zu verlassen. So merkwürdig unwichtig und surreal erscheint die Welt und ihre Themen mir in diesem Moment, in dem ich hier sitze und um Worte ringe, die auch nur annähernd den Erlebnisraum beschreiben, den wir betreten durften und wieder verlassen haben. Für den Moment möchte ich mich ganz tief in mir zurück ziehen, jedes gesprochene Wort erscheint mir zu viel, möchte die Erfahrungen wirken lassen, um sie in mir mit der sichtbaren Welt zu vereinen.





Danke, ich konnte mich durch den Fluss deiner Worte in den Frieden gleiten lassen <3