Energiewechsel
Signale des Körpers im Zwiegespräch mit dem Verstand
Das Ankommen in Oaxaca fühlte sich für mich wie ein Energiewechsel an und ich tauchte ein in die farbenfrohe Lebendigkeit, die die Stadt ausstrahlt. Das Hostel begrüßte mich hingegen in einer reservierten Stimmung, doch im Zweifel sollte es nur der Ort sein, an dem ich schlafen würde und so kümmerte ich mich nicht weiter darum.
Kaum hatte ich die Straßen betreten, kehrte meine Abenteuerlust zurück und ich nahm wahr, dass ich an vielen Ecken anhielt, um Fotos aufzunehmen. Schnell spürte ich, dass Oaxaca ein Ort sein würde, der mir weitere Antworten auf Fragen liefern wollte, wer ich war, was meinem Wesen entsprach und welchen Dingen ich mich annähern möchte. Ich spürte wie das Resonanzgesetz wirkte.
Während es im Hostel vor allem laut war und die wesentlich jüngeren Menschen den tiefen Blick ins alkoholgefüllte Glas suchten und sich die Gesprächsinhalte oft an der Oberfläche bewegten, spürte ich ein Desinteresse daran, bis hin zu einem davon abgestoßen sein. Und so genoß ich die zahlreichen Begegnungen, während eines Ausflugs zu einer nahe gelegenen Aztekenstätte. Ich traf Menschen, die eine gewisse Tiefe und Herzlichkeit versprühten und eine Ruhe ausstrahlten. Überraschend tiefe Gespräche ergaben sich, überraschende Offenheit begegnete mir und mir wurden Lebensgeschichten anvertraut, die ich nicht erwartet hatte, geschenkt zu bekommen. Die Wärme, Ruhe und Tiefe der Menschen fand sich auch in der Stätte wieder, die zwischen Bergen und Tälern lag. Schon in den Städten zuvor hatte ich die Kraft der Natur spüren dürfen und hier an diesem Ort erfüllte sie mich mit der Ruhe, die ich in manchen Städten vergeblich suchte.
Mit einer der Begegnungen verabredete ich mich für den Abend und spürte auch am Abend die Resonanz, die mitschwang. Beim Anvertrauen seiner Lebenserfahrungsräume, wurde mir klar, warum wir resonierend schwangen, war es ein Vaterthema, dem wir uns aus unterschiedlichen Richtung annäherten, dass uns einte. In ihm fand ich einen Menschen, der, genauso wie ich, die leisen Töne den lauten vorzog und trotz des lauten Nachtlebens, dass uns umgab, konnten wir miteinander in wortreicher Stille schwingen. In dieser wortreichen Stille umgeben von Lärm zeichnete er ein Bild von mir und in mir entstand der Gedanke, dass er mich auf diese Art und Weise sieht, wie er mich in diesem Moment gezeichnet hatte. Dieser Gedanke führte mich zu der Frage, wie ich mich gezeichnet hätte und damit zu der Frage, wie sehe ich mich?
Auch eine Freundin beschenkte mich am Vortag reich mit Erkenntnissen über mich und meinem Wesen, über meine Bestimmung und worauf ich meinen Fokus in den nächsten zwei Jahren richten durfte. Ihr Besuch eines astrologischen Wochenendes führte mich zu meinem Gefühl der Heimatlosigkeit, dass ich schon jahrzehntelang in mir trage und zu dem Punkt, dass ich die Heimatlosigkeit nun selbstgewählt beschritt, um Erfahrungsräume zu betreten, die mir nicht nur Aufschluss über mich, sondern auch meiner Berufung schenken würden. Die Häuser und Planetenkonstellationen sprachen von einer Reise, die ich in den nächsten zwei Jahren unternehmen darf, um meine Wahrheit, meinen Sinn und meine Bestimmung zu finden, die eng verwoben mit dem Gefühl der Heimatlosigkeit zu sein scheint.
Auf dieser Reise befinde ich mich bereits und so bekam sie einen neuen Sinn, den ich zwar in Teilen bereits ergriffen hatte, doch nun noch mehr Tiefe bekam zusammen mit einem vertrauensvollen Wissen, dass ich auf meinem Lebensweg bin. Raumhalterin hatte meine Freundin mich in unserem Telefonat genannt, wie schon zuvor in Gesprächen vis a vis. Eine Raumhalterin braucht wohl die Gabe des Zuhörens, des Schweigens und der Ausstrahlung von Ruhe, die mir schon häufiger dankbar gespiegelt wurde. Brauchte ich mich also meiner leisen Töne schämen, wie ich es schon ach so oft getan hatte? Oder durfte ich dies als mitgebrachte Gabe annehmen, die mich zu der machte, die ich bin?
An diesem Tag konnte ich mir erlauben, dass ich nicht überall hinein passen muss, dass mich manche Konversation anstrengt und andere mit Energie und Freude erfüllt, dass mir manche Menschen Energie zu entziehen scheinen und mich andere Menschen mit Energie erfüllen. Statt mein Wesen in Frage zu stellen, darf ich also meiner inneren Stimme folgen, die mir schon immer auf ihre leise Art und Weise mitgeteilt hat, wenn ich mich in einer Umgebung befand, die meinem Wesen entsprach, oder in einem Umfeld, dass meinem Wesen nicht entspricht. Nun konnte ich diese leise Stimme bewusst wahrnehmen und möchte ihr endlich Gehör schenken.
Selbstliebe, so durfte ich in den letzten Tagen erfahren, sie darf in mir weiter wachsen, durch Annahme der Facetten, die sich mir zeigen und sich Stück für Stück entblättern, zu beginn recht unbequem. Doch wenn ich mir mit verständnisvollem Blick begegne, wandelt sich das Unbequem in friedliche Stille in mir. Altes darf sterben, damit Neuer entstehen kann, altes darf sterben, um gänzlich Ich zu werden.









Danke für deine Texte. Das, was du über Räume halten und gut zuhören schreibst, hat mir eine Freundin auch mal so ähnlich gesagt. Ich habe mich dadurch in meinem wahren Wesen gesehen gefühlt. Dieses mich falsch fühlen, weil ich so bin, kenne ich ebenfalls gut.