Die Beobachterin
Der schwarz blickende Cursor auf weißem Grund verrät es mir, heute stehen meine Antennen auf Empfang und wollen nicht so recht aussenden. Im Gleichtakt blinkt er seinen eigenen Rhythmus und lässt meine Hände verstummen, denn sie lauschen, wie alles heute in mir gelauscht hat.
Als Beobachterin sog ich alles, was mir begegnete, heute auf. Wie ein ausgetrockneter Schwamm, der den letzten Tropfen Wasser bei einer Wüstenwanderung ausgeschwitzt hat und nun, kurz vorm verdursten, jedem Wassertropfen hinter hechelt.
Es zog mich erneut zu einer Maya Ruine. Ich wollte ihre Energie spüren, wollte mich dort spüren, in Stille sein, Stille aushalten, mich dem öffnen, was sich mir zeigt, in mir und im Außen. Heute betrat ich die Maya Stätte durch den offiziellen Eingang, denn die Tore, weit geöffnet, luden mich herzlich ein. Zeitlupenartig stieg ich die ersten Stufen empor, erblickte beim Betreten die Ruine auf der Ruine und sagte ihr, sie müsse warten, ich hatte erstmal anderes vor.
Ich hatte es nicht eilig, hatte reichlich Zeit im Gepäck und so schlenderte ich ab vom Weg und beobachtete, was mich umgab. Ich erblickte Bäume, die eine Geschichte über die Energien erzählten, die hier einst herrschten und mich auch heute noch umhüllten. Ich erblickte Steine, die weiß und rot erstrahlten und aufeinander gestapelt darauf warteten, dass ein Menschenfuß sie betritt. Sie erzählten stumme Geschichten, von ihrem Aufbau und von ihrem Verfall. Die Zeit, sie hat ihre Spuren hinterlassen, doch an ihrer Stärke haben sie nicht verloren.
Ich ließ mich nieder abseits der Ruine auf der Ruine, im Schatten eines Baumes, ein Stein diente mir als Stuhl. Ich beobachtete das eilige Treiben der Menschen, die ein anderes Ziel hatten als ich. Sie liefen schnurstracks auf die Ruine zu, stiegen hinauf, verweilten kurz oben auf dem Gipfel, stiegen hinab und eilten davon. Ich saß einige Stunden und beobachtete mal mit offenen, mal mit geschlossenen Augen und war überrascht über diese Ruhe, die mich in all diesem eiligen Treiben umgab, die heute in mir lag, vielleicht energetisch an mich übertragen, von diesem ruhigen Ort.
Ich wechselte meinen Sitzplatz und ließ mich direkt vor den stufenlosen Stufen der Ruine auf der Ruine nieder. Von hier aus beobachtete ich die eiligen Füße, die den Weg hinauf stiegen und bald schon wieder hinab. Kurz fragte ich mich, von was diese Menschen wohl waren getrieben an diesem in sich ruhenden Ort. Kurz fragte ich mich, wohin es wohl meine Rastlosigkeit geschwemmt hatte, die mich in den letzten Tagen eilige Schritte hatten gehen lassen. Doch es brauchte keine Antworten auf meine Fragen, ich genoß das Ruhebad.
Ich wechselte ein letztes mal meinen Platz. Es zog mich erneut auf einen abgeschiedenen Platz unter einen Baum. Mir gegenüber spannten zwei Menschen eine Hängematte zwischen zwei Bäume und bald ließen sie sich dort nieder, vielleicht ebenso von dieser Ruhe erfüllt wie ich. Welch schöne Idee, dachte ich, bevor ich irgendwann aufstand und ging. Vielleicht war es der Wasserturm dort hinten, dessen Inhalt zu mir herüber floss, denn mein Schwamm war scheinbar wieder mit reichlich Wasser aufgefüllt, es passten keine Eindrücke mehr hinein. Ich ließ die Maya Ruine auf der Ruine zurück, sie besteigen und auf ihr oben wollte ich so prall gefüllt nun nicht mehr sein. Vielleicht lädt mich diese Stätte bald wieder zu sich ein.





Danke fürs teilhaben lassen!